SchwarzGelb gibt´s auch im Norden
Der eine grient in Kiel, der andere grinst in Hamburg: Der Skandal um die HSH Nordbank kann Peter Harry Carstensen und Ole von Beust kaum noch wehtun – der eine hat gerade eine Mehrheit geholt, um schwarz-gelb zu regieren, der andere hat seit 2008 die Grünen in seinem Segelboot.Jetzt hagelt es ihnen täglich heftigere Schlagzeilen auf die Schreibtische: Skandal-Millionen an Goldman Sachs, Giftpapiere und Milliardenverluste für die HSH, Halteprämien an Managergiganten wie Dr. No, „Mr. Peanuts“ Hilmar Kopper als Oberaufsichtsrat, Milliarden-Bürgschaften für eine Bank, die sonst schon pleite wäre. Einiges davon hätte man auch vor den Wahlen in Hamburg und Kiel an die ganz große Glocke hängen können – aber 2008 ging nur ein Säuseln und 2009 nur ein dezentes Rauschen durch Blätterwald und Kabelnetz. Auch das gehört zu den Gründen für den schwarz-gelben Durchmarsch im Norden.
Dabei hatte Michael Naumann, SPD-Bewerber um das Bürgermeisteramt in Hamburg, schon früh auf den Busch geklopft. In dem Kandidatenduell des NDR am 17. Februar (!) 2008 fragte er von Beust:
„Die HSH Nordbank hat ihre Bilanzpressekonferenz auf die Zeit nach der Wahl verschoben. Sind Sie sicher, dass ausgerechnet diese Landesbank die einzige ist, die nicht tief verschuldet ist mit den Geschäften mit Immobilienderivaten aus den Vereinigten Staaten, und könnten Sie Ihren Finanzsenator a. D. Peiner, Aufsichtsratsvorsitzender, bitten, diese Bilanzpressekonferenz vor die Wahl zu legen?”
Von Beust flüchtete – live und in Farbe – ins politische Seiten-Aus:
„Es gibt im Moment das Wertermittlungsverfahren, wo geguckt wird, welche Werte sind gefährdet mit welchem Risikograd.“
Mit dem Wahltermin habe die verschobene Bilanzpressekonferenz natürlich
„nicht das Allergeringste zu tun”.
Seine Botschaften kamen offenbar gut an in so mancher Redaktion – der Stadtregent ging nahezu kritikfrei durch seinen Wahlkampf.
Als SPD-Spitzenkandidat Ralf Stegner vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein die Fehler der Manager und des CDU-Finanzministers ansprach, sah die Medienlage für die Schwarzen nur wenig beunruhigender aus. Die Bank sei auf einem guten Weg, sein Finanzminister mache einen guten Job, flötete Amtsinhaber Carstensen in die Mikrophone – und kam auch damit meistens durch.
Während nun, nach den Wahlterminen, der Aufschrei der Kommentatoren immer lauter wird, haben die Schwarz-Gelben ganz andere Sorgen: Sie handeln gerade aus, wer welchen Posten bekommt in der Landesregierung. Da Frauen bisher für Führungsaufgaben nicht im Gespräch sind, kann man wohl sagen: Einer wird dann auch für die Kontrolle der Skandal-Bank zuständig sein. Aber die ist ja auf einem guten Weg …
Ein Gastbeitrag von Günter Emil Albert.


